ggmüller: texte
Staf de Wilde, 4. April 2015
Günter in der Bibliothek
Er macht seine Rothkos aus Eisen,
und während er dich als Bruder umarmt,
halten sie als Rätsel Wacht.
Vorsichtig umgehst du noch ein Urteil,
läßt Blei und Zink über dich ergießen:
diese Kunst erscheint so minimal, es gilt
die schlichte Kraft der Zeichen.
Triptychen siehst du und du wandelst
durch die Jahrhunderte zurück zur Bettstatt
des Eremiten: zieh ihm den Habit an:
du wähnst dich im Kloster.
Weihrauch schwebt und schweigend
blickst du auf sein Werk: Rothkos sind es,
geformt in Eisen, Schriften sind es,
in der kargen Sprache dessen, der festhält, was ist.
